Heimkino

 

Heimkino

 

Zur Entstehung

 


Es handelt sich bei meinem Heimkino um einen ca. 24qm großen Raum im ersten Obergeschoss. Ich wollte aufgrund der Lage im Haus und der Eigenschaft als Wohnzimmer mit einem Durchgang auf eine Dachterrasse kein Batcave bauen und den Raum farblich trotzdem so gestalten, dass er sich besser zum Filme gucken eignet als zuvor mit weißen Wänden.



Die Leinwand / Front


Ich schaue auf einer „Top Connect E-Line“ Leinwand mit den ausgelieferten Maßen von 3m x 1,69m. Das Tuch ist von hinten schwarz beschichtet und bietet einen Gain von 1,4. Probleme wegen eines „Hot Spots“ oder einem zu eingeschränktem Betrachtungswinkel gibt es nicht. 

Ich habe die komplette Größe der Leinwand in der Vergangenheit nur selten genutzt, weil mein alter Projektor (ein Sanyo PLV - Z 2) sowie auch die meisten DVDs bei dieser Größe nicht mehr ganz so toll aussahen. Also habe ich mir eine einfache horizontale und vertikale Maskierung gebaut, mit der ich dann Filme mit den Bildverhältnissen von 1:2,55 bis 4:3 projizieren konnte.

Nach einer Weile mochte ich jedoch meine alte filigrane Konstruktion aus Aluprofilen und schwarzen Tüchern nicht mehr leiden.

Hier ein Foto meines alten Frontbereichs:

                        Front
 

Also plante ich eine neue Frontkonstruktion, welche ich einfach um die bereits montierte Leinwand herum bauen wollte. Wichtig war mir auch weiterhin die Möglichkeit des Maskierens je nach Bildformat, jedoch sollte es eine vertikale Maskierung werden, die sich von den Seiten vor die Leinwand schieben läst.

Ich habe mich für ein unmaskiertes Bildverhältnis von 21:9 entschieden, welches dann exakt 287cm zu 123cm ausfällt. Von den Seiten lässt sich die Maskierung ins Bild schieben, die dann ein 16:9 Bild bei einer Bildgröße von 218,5 cm x 123 cm zulassen.

Hier die Planungsskizze für die neue Front:

Skizze


Als Material habe ich mich für 19mm MDF entschieden, in der Hoffnung, dass sich die Platten gut bestreichen lassen. Die verwendete Farbe ist eine im Baumarkt angemischte Dispersionswandfarbe, welche sich auch auf einigen der Seiten- und Deckenwände wiederfindet.

Ein von der Leinwand etwa ein Meter in den Raum reichender Deckenabschnitt wurde abgehängt und mit Halogenspots bestückt. Dieser Abschnitt ist ebenfalls mit sehr dunkler Farbe gestrichen, um Lichtreflexionen auf die Leinwand zu minimieren.

Zur Verwendung von rohen MDF-Platten muss ich kritisch anmerken, dass diese recht stark ausdünsten und nicht ohne Weiteres zu empfehlen sind. Dispersions-/ Wandfarbe schließt diese Gerüche, anders als Lacke, nicht ein.

 

Bildergallerie zum Umbau der Front

 

Seitlich neben der Leinwand, sowie hinter den Lautsprechern kommen Vorhänge aus Molton zum Einsatz, die sowohl einfallendes wie auch reflektiertes Restlicht von der Leinwand absorbieren.

                

Der Boden

Der bisher im Raum verlegte Teppichboden weicht einem Laminatboden, der sich in das farbliche Gesamtkonzept eingliedert. Auf dem Laminatboden liegt zudem ein schöner, hochfloriger Teppich in einem passenden dunklen Braunton.

                                              

Bildergallerie zur Verlegung des Laminatbodens

                                                       

Die Wandfarben / Verdunkelung


Die Wände sind in drei unterschiedlich dunklen, aufeinander abgestimmten Grautönen gestrichen. Von Kieselgrau für den größten Teil der Decke und der Rückwand über ein Dunkelgrau der vorderen Seitenwände bis hin zum Schwarzgrau um die Leinwand herum. Die Grautöne sind ein Kompromiss, Perfektionisten hätten hier sicher Schwarz genommen. Da der Raum auch bei Tageslicht genutzt wird, mussten andere Farben als schwarz her. Wenn das Heimkino jedoch vollkommen abgedunkelt ist und der Film läuft, reflektiert kein störendes Licht mehr und alles bis auf die Leinwand ist praktisch schwarz.

 

Heimkino_Rear_2

 

Rear_thumb

 

Damit auch bei grellem Tageslicht kein störendes Licht mehr ins Heimkino fällt, habe ich Holzleisten seitlich neben den speziell beschichteten, lichtabweisenden Rollos befestigt. Sie sind unauffällig in Wandfarbe gestrichen und auf ihrer Rückseite mit schwarzem DC - Fix - Samt beklebt.

Verdunkelung

 

Deckenhalterung für den Projektor

Für die Deckenhalterung des Projektors habe ich MDF-Platten mit Ebenholz furniert. Mit entsprechenden Schrauben versehen, lässt sich die Platte leicht in ihrer Neigung verstellen. Dies erleichtert die mitunter nicht gerade einfache Ausrichtung des Bildes auf der Leinwand erheblich. Benutzt habe ich dafür Gewindestangen, welche sich in den gebürsteten Edelstahlrohren verbergen. In ein Rohr habe ich Aussparungen geflext, um die Netz- und HDMI-Kabel im Rohr zum Projektor führen zu können.

 

Deckenhalterung_JVC_HD_550

 

Deckenhalterung_JVC_HD_550_b

 

Möbel
   

Rack
 

Heimkino_Rear_3

Auf dem unteren Bild sieht man meine Elektronik im Selbstbau - Rack. Dafür habe ich eine 27mm Tischlerplatte (Buche) verarbeitet und die Maße auf meine Bedürfnisse im Baumarkt zusägen lassen. Zu Hause habe ich das Holz schließlich zum Rack verleimt, geschliffen, gebeizt und lackiert. Aus optischen Gründen habe ich mich für Glasböden entschieden, die ich in einer Glaserei bestellt habe. Mit 10mm Stärke bieten sie genügend Stabilität für die teilweise sehr schweren Geräte. Die Beleuchtung der Glasböden übernehmen LEDs von IKEA, welche einfach hinten an den Glasböden befestigt wurden und der Länge nach durchstrahlen. Ebenfalls von IKEA ist das Ledersofa Karlstad mit Hocker.

 

HiFi-Rack

 Rack_b

Aufgrund der Enge im Rack, vor allem im unteren Bereich der Endstufen, habe ich mich für eine zusätzlich Kühlung durch Ventilatoren entschieden. Sie lassen sich einfach per Knopfdruck über eine Funksteckdose hinzuschalten. Die 12cm Gehäuselüfter aus dem PC-Bereich liegen auf den oberen Lüftungsschlitzen der Geräte und sorgen für eine ausreichende Kühlung. Sie werden statt mit 12 nur mit 6 Volt betrieben, um die Geräuschbelastung zu verringern.

 

Couchtisch mit Zebranofurnier:

Couchtisch

 

Hier geht es zur Bildergallerie:

Couchtisch

 

Die Leinwand - Position, Größe und Abstand

 

Bei der Suche der richtigen Sitzposition, dem Sitzabstand zur Leinwand und zu den Lautsprechern sollten mehrere Aspekte bedacht werden.

Sitzposition

Aus akustischen Gesichtspunkten möchte man einerseits auf dem Sofa den "Sweet-Spot" im Stereodreieck inne haben, anderseits aber auch vom "Surround-Feld" des Mehrkanaltons umgeben werden. Ich habe Wert darauf gelegt, dass ein ausreichend großer Abstand zur Rückwand gegeben ist, um nicht inmitten einer unangenehmen Raummode zu sitzen. Ein Abstand von mindestens 1m sollte gegeben sein, je nach Raummodenverteilung auch mehr.

Abstand zur Leinwand

Ich habe bei der Planung der Leinwandbreite im Scope-Format meine Erfahrungswerte und Sehgewohnheiten eingebracht, die ich über die Jahre mit meinem ersten Projektor, dem Sanyo PLV-Z2, gewonnen habe. Da war es von Vorteil, etwas mit dem großen Bild zu experimentieren und die für mich angenehmste Größe herauszufinden. Dies hat natürlich in starkem Maße mit der Qualität und der Auflösung des Projektors und des Quellmaterials zu tun. Ich war dann aber überrascht, wie gut meine Sehgewohnheiten und Abmessungen zu den Vorgaben passen, die beispielsweise THX vorgibt: Sitzabstand = 1,54 x Leinwandbreite (Sichtwinkel von 36°). Das macht bei mir eine empfohlene Sitzentfernung von knapp 4,42 m. Mein tatsächlicher Betrachtungsabstand beträgt 4,35m ;-)

Auf der THX - Homepage wird ein Sichtwinkel von weniger als 40° empfohlen.

Höhe der Leinwandunterkante

Sollte man sich wie ich dazu entschieden haben, seine Lautsprecher neben und unter der Leinwand zu positionieren, muss bei der Ausrichtung der Höhe der Leinwandunterkante sowohl die Centerposition als auch die Gesamthöhe insgesamt beachtet werden. Aus akustischen Gründen ist es wichtig, dass der Center nicht zu sehr in Bodennähe gestellt wird, da sich sonst seine klangliche Charakteristik zu stark verändert (Grundtonüberhöhung). Zudem sollte der Höhenunterschied zu den Frontlautsprechern nicht zu groß sein. Dies war unter anderem ein Grund, warum für mich eigentlich nur eine Leinwand im Scope-Format infrage kam.

Die Leinwandhöhe insgesamt sollte aber auch nicht zu hoch gewählt werden, da es als unangenehm empfunden wird, wenn man als Zuschauer den Kopf zu sehr in den Nacken legen muss. Der THX -Richtwert von 15°, die man max. nach oben schauen muss, ist hier evtl. sinnvoll (siehe auch THX - Homepage).

Bei einer 16:9 Leinwand käme für mich aus oben genannten Gründen eigentlich nur eine schalltransparente Leinwand infrage. Die Lautsprecher wären dann dahinter eingeplant und die Position könnte etwas tiefer gewählt werden.

Bildhelligkeit

Um sich einen Überblick zu verschaffen, welcher Projektor bei welchem Gain, welcher Leinwandbreite und welchem Abstand besonders passt, findet man hier ein praktisches Tool, den Projection Calculator.

Es sollte allerdings bedacht werden, dass die dort gemachten Angaben lediglich als Richtwerte zu sehen sind, da die Lampenleistung und die Helligkeit auf Herstellerangaben beruhen. Diese sind bekanntlich häufig geschönt bzw. geben die maximale Leuchtkraft im Farbmodus "Brillant" an, welcher sich aber so im Heimkino nur mit verfälschten Farben darstellt und deshalb nicht wirklich genutzt werden kann. Zudem nimmt die Lampenleistung mit zunehmendem Alter des Projektors ab. Mir erschien aus diesen Gründen der Einsatz einer Leinwand mit einem leicht erhöhten Gainfaktor, auch wegen der verwendeten Größe der Leinwand, als sinnvoll.

 

Projektor kalibrieren

 

Moderne digitale Projektoren bieten eine Vielzahl an Einstellungsmöglichkeiten bezüglich der Farb-/ und Gammakonfiguration, die sich aber nur mit einem geeigneten Messinstrument mit passender Software und Testbildern wirklich sinnvoll nutzen lassen.

Ich verwende dazu das Colorimeter Spyder 4 Pro, ein Mikrofonstativ, meinen Laptop, die kostenfreie Software HCFR (Home Cinema-FR) sowie die ebenfalls kostenfreie AVSHD709 Test Disk.

Zur Installation des Colorimeters geht man wie in diesem Blog beschrieben vor. Nachdem die gesamte Software installiert und man seine Test Disk im Player hat, braucht man eigentlich nur noch die Anleitung "Greyscale & Color Calibration for Dummies" auf der Seite von Curt Palme. Die Anleitung ist gut verständlich und ausführlich beschrieben (in englisch).

Für das Kalibrieren benötigte ich beim ersten Mal insgesamt ca. 2 Stunden Zeit. Danach hatte ich die passenden Einstellungen für sowohl die Bildformate 1:1.85 (niedriger Zoom und deshalb geringer Lampenstrom) als auch für 1:2.35 (hoher Lampenstrom).

Die geringe Investition in die Hardware (gemessen am Preis für den Projektor) und die aufgebrachte Zeit für das Einlesen in die Materie und das Kalibrieren belohnen einen mit einem für sein Heimkino ideal eingestellten Beamer und einem super Bild.

Je nach Beamernutzung ist es sinnvoll, das Bild in regelmäßigen Abständen erneut zu überprüfen und die Einstellungen entsprechend anzupassen. Gerade in den ersten ca. 100-200 Stunden kann sich das Farbspektrum der Lampe noch recht stark verändern, bis es dann über eine lange Zeit sehr stabil bleibt (bezogen auf meinen JVC HD 550).